Der einsame Cowboy reitet in den staubigen Sonnenuntergang, lässig hält er die Zügel in der Hand, der Hut ist tief ins Gesicht gezogen … Kaum einer verbindet Westernreiten nicht mit diesem Bild. Der Reitstil, die scheinbare Leichtigkeit und das gegenseitige Vertrauen von Pferd und Reiter sind unverkennbar – und begeistern nicht nur Westernfans.
Das Westernreiten hat sich zu einem amerikanischen Exportschlager entwickelt. Doch ist es keine amerikanische Erfindung, sondern kommt von der alten spanischen Arbeitsreitweise, dem Vasquero- oder Hirtenreiten. Beim Westernreiten müssen die Pferde auf kleinste Impulse reagieren. Im Gegensatz zum englischen Reitstil, der in Europa der gängigste ist, müssen die Pferde sehr selbständig arbeiten. Als Beispiel: der Reiter gibt dem Pferd die Hilfe zum Antraben. Beim Westernreiten soll das Pferd danach das Tempo von sich aus halten, während in der Englischen Schule das Pferd ständig getrieben wird.
Das Westernreiten begeistert die meisten vor allem mit seinen typischen spektakulären Sliding Stopps, Spins und anderen Übungen. Beim Sliding Stopp setzt sich das Pferd fast auf die Hinterläufe, während es mit den Vorderbeinen weiterläuft. Beim Spin handelt es sich um eine schnelle Drehung um die Hinterhand. Beide Übungen gehören zur hohen Schule des Westernreitens und werden im vollen Galopp ausgeführt. Dabei geht es allerdings nicht um Showeffekte – ursprünglich waren das die Trockenübungen, die Pferd und Reiter beherrschen mussten, um später auf den riesigen Weidegründen im mittleren Westen der USA die Rinderherden treiben zu können.
Rinder spielen bis heute vor allem in Wettkämpfen eine Rolle. Faszinierend ist die Disziplin Cutting (von „cut“ = schneiden, abtrennen), bei der ein Rind aus der Herde herausgelöst wird. Ist das Rind einmal von der Herde abgesondert, darf der Reiter keine Hilfen mehr geben, sondern das Pferd muss das Rind alleine von der Herde fernhalten. Pferden, die diese Übung beherrschen, sagt man den cow sense nach: sie denken und fühlen wie das Rind, und können die Bewegungen des Rindes regelrecht vorhersehen. In dieser Disziplin müssen die Pferde die Entscheidungen selbständig treffen. Nicht selten ist das Schauspiel so temporeich, dass sich der Reiter mit beiden Händen am Sattelknopf festhalten muss. Cutting ist übrigens nach Tennis und Golf der – an den Preisgeldern gemessen – dritthöchst dotierte Sport weltweit.